Scotch - Vom Schleifpapier zum Klebeband

Titelbild Scotch - Vom Schleifpapier zum Klebeband
von Philipp Steiner
Die Geschichte vom Scotch Klebeband nahm seinen Lauf beim Schleifpapier. Der Banjospieler und Quereinsteiger Richard G. Drew nahm seinen Mund einmal richtig voll und hielt ein Versprechen. Heute produziert die Firma 3M über 900 Varianten und kann jährlich 165 Mal die Erde umkleben.




Scotch Klebeband


Bist Du auf der Suche nach anständigem Markenklebeband, dann bist Du bestimmt schon auf die Marke Scotch gestossen. Oder hast zumindest das karierte Schottenmuster (Tartan) im Hinterkopf. Dabei hat die das Klebeband rein gar nichts mit dem britischen Inselvolk zu tun.


Scotch Tape ist im englischsprachigen Raum sowieso der Inbegriff für Klebeband überhaupt geworden. Ähnlich wie Tesa in Deutschland hat es Scotch damit geschafft, durch eine schiere Markenpräsenz ein bestimmtes Produkt über Generationen hinweg namentlich zu prägen. 


Die Marke Scotch ist heute Bestandteil von 3M und stellt über 900 verschiedene Varianten von Klebeband zur privaten wie industriellen Anwendung her. Zuhause liegt oft eine Rolle Verpackungsband, Doppelseitiges Klebeband oder ein gewichtiger Tischabroller zur einhändigen Anwendung. Jährlich verkauft die Firma genug Klebeband um die Erde 165 Mal zu umrunden.


Aushängeschild der Marke Scotch ist unbestritten das Magic Tape mit dem grünen Muster. Der Klebeband-Klassiker ist seit den 1961 auf dem Markt und mit aus eines der erfolgreichsten und ikonischen Produkte der Marke.  Das Scotch Magic Tape ist dank der matten Oberfläche auf vielen Oberflächen gut sichtbar und kann problemlos beschriftet werden. 


Scotch Klebeband Variationen


Scotch Logo

Wir sind der Ansicht, dass das Lösen von Problemen das Wesen eines schöpferischen Akts ist. Dieses Leitprinzip hat uns im Laufe der Jahre bei zahlreichen Erfindungen begleitet und ist auch für zukünftige Innovationen eine wichtige Triebfeder.

Scotch Firmenmotto


Firmengeschichte - Autolack und Scotty McTape

Was hat ein amerikanisches Banjo mit Scotch Cellophan-Klebeband gemeinsam? Die Antwort ist ein junger Quereinsteiger namens Richard G. Drew.

Vom Banjospieler zum Aussendienstler in Minnesota

Denn der junge Ingenieur finanzierte sich sein Studium nebenbei mit nächtlichen Konzerten in verschiedenen Bands. Nach nur einem Jahr musste er die Übung jedoch abbrechen und stieg darauf 1921 als Quereinsteiger bei der damaligen Minnesota Mining und Manufacturing (3M), die sich unter anderem mit Schleifpapier einen Namen gemacht hatte. Ein guter Abnehmer davon waren damals auch Autogaragen.

Ein Garagist bei der Abdeckung für eine zweifarbige Autolackierung. Diese war in den 1920er Jahren besonders im Trend.
Ein Garagist bei der Abdeckung für eine zweifarbige Autolackierung. Diese war in den 1920er Jahren besonders im Trend.

Eine Aussendienstreise brachte dem damals 23-jährigen Dick Drew den Schicksalsmoment, dem wir heute eine der bekanntesten und einfachsten Klebemöglichkeiten zu verdanken haben. 


Denn in den 20er Jahren waren zweifarbige Autolackierungen im Trend. Das Anbringen der Farbe war jedoch ein grosses Mühlsal für viele Garagisten, die alte Zeitungen mit Leim oder chirurgischem Klebeband zur Abdeckung verwendeten. Beim Entfernen blieben oft Rückstände zurück, der Lack wurde beschädigt und die Handwerker konnten die Arbeit oft wieder von vorne beginnen.


Abdeckung ohne Kleberückstände

Voller Übermut verkündete der eifrige Verkäufer, eine Lösung zu produzieren und dem Leid ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Drew, der weder über Erfahrung noch Vorwissen besass, verschanzte sich mit jugendlichem Optimismus im Labor. 


Glücklicherweise bot die Firma 3M mit einer innovativen Firmenkultur und dem Motto “Du sollst keine neue Produktidee töten.” über einen optimalen Nährboden für seinen Ehrgeiz. Nach etlicher Tüftelei und der Kombination verschiedenster Klebstoffe kam 1925 das Scotch Brand Masking Tape auf dem Markt und wurde zum Erfolg.


Richard (Dick) Drew, Erfinder des Scotch Magic Tape.
Richard (Dick) Drew, Erfinder des Scotch Magic Tape.

Woher kommt der Name Scotch?

Um die Namensherkunft kursieren zwei Legenden. In der früheren Produktphase wurde der Klebstoff nur am Aussenrand des Trägers als dünne Schicht aufgetragen. Folglich war die Klebewirkung relativ gering und das Klebeband fiel rasch wieder ab.


Ein Garagist soll daraufhin zu Richard Drew gesagt haben, "er solle das Produkt zu seinen geizigen Bossen zurückbringen" (Englisch: "take your tape back to your scotch bosses"). Die andere Variante geht, "warum so geizig mit dem Klebstoff" (Englisch: "why so scotch with the adhesive?").


Den Schotten (the scotch) hing damals noch der Ruf nach, geizig zu sein. Richard Drew fand die Bezeichnung so treffend, dass er seine Entwicklung später danach benannte.


Cellophan wird ideales Verpackungsmaterial in der Lebensmittelindustrie

1929 entwickelte die Firma DuPont Cellophan, ein feuchtigkeitsbeständiges Material und eroberte den damit den Verpackungsmarkt. Bäcker, Fleischverpacker, Lebensmittelhändler und Konditoren verwendeten das neuartige Material für eine revolutionäre Lebensmittelaufbewahrung. Richard Drew, nun technischer Leiter der 3M Produkte, sah sofort dessen Potential. 

Test ergaben, dass sich Cellophan als belastbares Trägermaterial gut eignen würde. Denn Scotch Tape verwendete zu diesem Zeitpunkt noch filigranes Krepppapier als Träger. Nach den “längsten und demotivierendsten Monaten in der Geschichte von 3M” und zahlreichen chemischen und maschinellen Anpassungen entstand Scotch Brand Cellophan Tape, das später als Scotch Transparent Tape Weltbekanntheit erlangte. Ein ideales Verschlussmittel für die Cellophanverpackungen in der Lebensmittelbranche.

Allerdings hatte DuPont kurz darauf eine Verschlussmethode mit Hitze entwickelte und machte das Scotch Klebeband in der Industrie redundant. Dann schlug in den USA die grosse Depression ein und zwang zahlreiche Unternehmen in die Knie.

Markenmaskottchen Scotty McTape erklärt die vielen Anwendungsmöglichkeiten von Klebeband.
Markenmaskottchen Scotty McTape erklärt die vielen Anwendungsmöglichkeiten von Klebeband.

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Dank Scotch die Krise überstehen

3M jedoch konnte sich in dieser schwierigen Zeit halten. Denn ein neues Verschlussmittel band eine Nation zusammen. In einer Ära der Sparsamkeit verkaufte sich das Scotch Klebeband beinahe von alleine. Denn es wurde für vielerlei Reparaturmöglichkeiten wie Papierseiten, Kleider und etwa Fingernägel in Privathaushalten entdeckt. 3M war eine der wenigen Firmen in der schwierigen Zeit keine Mitarbeitenden entlassen musste.


Während dem 2. Weltkrieg wurde die Produktion landesweit auf die Kriegsbemühungen umgestellt. Gummi wurde Mangelware und zwang das Unternehmen auf synthetische Akrylklebstoffe zu wechseln. Dieser stellte sich als altersresistenter heraus, vergilbte nicht über Zeit und begann nicht zu bröckeln. Das war die Geburtsstunde des “unsichtbaren” Scotch Magic Tape, welches heute noch zum Standardinventar von 3M gehört.


Dick Drew starb 1981 im Alter von 81 Jahren und hinterliess ein reiches Erbe, darunter 3M Micropore Surgical Tape, Scotch Pop-Up Tape Strips und Post-it Notizen. Beeindruckend, da doch alles mit einem Streifen Schleifpapier begonnen hatte.


Scotch Magic Tape Klassisch


Scotch Clip & Twist