Lindt - Schweizer Schokolade aus Meisterhand

Lindt - Schweizer Schokolade aus Meisterhand
von Philipp Steiner
Die Lindt Schokolade der Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG begeistert heute Süssmäuler rund um den Globus. Einer lange Tradition, feinste Produktqualität und ein gezielter Markenauftritt verdankt das Unternehmen das weltweite Renommee. Heute noch wird am Zürichsee die Schokolade produziert. Doch wo kommen da die Maîtres Chocolatier ins Spiel? Wer waren Lindt und Sprüngli? Und wo sind eineinhalb Tonnen fein schmelzender Schokolade zum Greifen nahe? Eine süsse Exkursion ans Seeufer bei Kilchberg. 


Der Goldstandard der Schokoladenproduktion

Lindt & Sprüngli auf der Landkarte


Wer waren Lindt und Sprüngli?

Kurz und knapp: Der Zürcher Schokoladenfabrikant Johann Rudolf Sprüngli und der Berner Rudolf (oder Rodolphe) Lindt, Erfinder des Conchierens. Sprüngli verlegte seine Produktion aus Platzgründen an den heutigen Standort Kilchberg und kaufte die Firma Rod. Lindt fils mitsamt dem begehrten Patent zum Conchieren auf. Rudolf Lindt behielt allerdings ein Mitspracherecht bei der Geschäftsführung, womit die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG mit ihrer langen Geschichte geboren war.

In der heutigen Schokoladenhochburg Schweiz wird mit stolz auf diese süsse Epoche der Schweiz geblickt. Dabei den Überblick zu behalten ist dann nicht ganz so einfach, so heissen hier gefühlt alle Schokoladenproduzenten Rudolf oder Rodolphe. Für alle Neugierigen findet sich hier die beste Übersicht aller Schokoladenpioniere der Schweiz.

Bei Lindt & Sprüngli lohnt es sich dann doch etwas auszuholen. 1945 gründete David Sprüngli in der Zürcher Marktgasse eine Konfiserie und stellte mit seinem Sohn Rudolf Sprüngli Ammann die erste feste Schokoladentafel der Region her. Das Geschäft florierte. Am Paradeplatz wurde er die bis heute gebliebene Confiserie Sprüngli, die noch im selben Haus sitzt.

David Sprüngli-Schwarz

Bildquellen: Lindt; Pinterest 

Rudolf Sprüngli-Ammann
Rodolphe Lindt als Schokoladenbüste


Derweil hatte der Bonvivant Rodolphe Lindt in Lausanne die Schokoladenproduktion erlernt und gründete nach zwei Jahren in der Berner Matte seine eigene Schokoladenfabrik. Der romantischen Erzählung nach soll er Freitagabends in der Eile zu einem Rendez-Vous die Anlage verlassen haben und vergass dabei die Maschinen abzustellen. Diese rührten das Wochenende weiter und überraschten ihn montags mit einer zartschmelzenden Schokoladenmasse. Schokolade war bis dahin eher grobkörnig und meist bitter. Das Conchieren war entdeckt worden.

Zurück in Zürich vermachte nun der Sprüngli zweiter Generation sein Unternehmen an die beiden Söhne und teilte dieses dabei fair auf. Johann Rudolf Sprüngli-Schifferliand übernahm die Fabrik, sein jüngerer Bruder David Robert Sprüngli-Baud die Konfiserie am Paradeplatz. Daraus entstanden die beiden Unternehmen Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG und Confiserie Sprüngli AG, welche bis zum heutigen Tag bestanden haben.
Die Confiserie Sprüngli am Paradeplatz

Bildquellen: Lindt

Die Schokoladenfabrik in Kilchberg


Schokolade als Tafel, Praline, Kugel oder Hase

Mit der Tafelschokolade machte die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG ihren Anfang. Ein handliches Format, das sich gut in Stücke brechen und unter den süssen Mäulern verteilen lässt. Bis heute setzt das Unternehmen auf eine innovative Produktentwicklung und versucht sich stetig an den neusten Kreationen. Über 2523 Produkte sind während den über 175 Jahren Firmengeschichte bereits entwickelt worden. 

Davon sind einige gekommen und wieder verschwunden. Neue Trends wurden aufgegriffen, wie etwa Schokolade mit hohem Kakaoanteil, bei gesprenkeltem Salz, Pfeffer oder Chili. Besonders zwei davon haben sich zum wahren Grundpfeiler der Marke gemausert.

Zur Frühlingszeit schlüpft der Goldhase aus den Schokoladenbauten der Fabrik und sprenkelt als glänzende Verzierung das obere Zürichseebecken und ganze Ladenflächen. Form und Farbe des Produktdesigns wird wie ein Schatz gehütet und wo nötig mit Markenrecht versucht zu verteidigen. Auf europäischer Ebene ist das dann nicht ganz gelungen, denn eine eindeutige Zuordnung vom Lindt-Hasen zur Marke konnte nicht nachgewiesen werden. 

Doch beim eigentlichen Standbein von Lindt geht’s richtig rund, und mit Lindor kann unumstritten die Königin der Schokoladen gekrönt worden sein. So sehr, dass Markenbotschafter Roger Federer selbst auf dem chinesischen Markt die zartschmelzende Füllung schmackhaft macht. 

Werbeplakat für Lindt Milchschokolade von 1960

Bildquelle: Artifiche


Der Name ist eine Verschmelzung aus Lindt und Or (französisch für Gold) und hat eine weitreichende Geschichte. Denn die Schokoladenfüllung wurde 1949 noch im Tafelformat produziert und erhielt erst später die runde Form. 


Übrigens hat der österreichische Komponist Wolfgang Amadeus Mozart bereits eine Klaviersonate namens “Je suis Lindor” verfasst. Eine süsse Verbindung zu den Mozartkugeln besteht allerdings kaum. Dennoch hat Lindor 2009 noch jährlich fünfzig Prozent des Gesamtumsatzes erzielt und soll weltweit über eine Milliarde Mal produziert worden sein. 



Wer sind die Maîtres Chocolatiers?

Genauso wie das Glöckchen zum Goldhasen, gehören die eleganten Weisskittel in die Schokoladenküche von Lindt. Oder sind zumindest unzertrennlich mit der Marke vereint worden. Chocolatier ist dabei die Berufsbezeichnung eines auf Schokolade spezialisierten Konditor oder Confiseurs. Hinter den Gesichtern steckt dann eine Gruppe ausgebildeter und auserwählter Fachkräfte, die für Lindt als Product Developer in aller Welt die Kelle übernehmen.



Schauspieler Jens Hajek als Maître Chocolatier


Verführerische Schokolade

Während auf vielen Markenbotschaften echte Maîtres Chocolatier wie die Schweizer Urs Liechti oder Stefan Bruderer stecken, sind längst nicht alle Repräsentationen echt. So etwa hat der deutsche Schauspieler Jens Hajek im bekannten Werbespot zum positiven Image von Meistertitel und Schokoladenqualität beigetragen. 

Die süsse Verführung hört dabei nicht bei der Lindorkugel auf und hat eine sinnliche Eigendynamik entwickelt, denn besonders in den USA bringt die Darstellung des Lindor Schokoladenmannes einige weiblichen Herzen zum Schmelzen.



Alixandra Barasch, Professorin für Marketing an der New York University’s Stern School of Business, sind diese Werbespots besonders für Frauen entwickelt worden. Der Maître verkörpere begehrenswerte Qualitäten eines Mannes, schliesslich ist der Darsteller nicht nur irgendein ein junger Assistent, sondern der Küchenchef schlechthin. Finde einen Mann der dich anschaut wie der Lindt Schokoladentyp seine Schokolade ansieht, schwärmt es derweil auf Twitter.

Apropos, wer sich nun ganz der sinnlichen Verführung von Lindt hingeben möchte, sollte sich unbedingt den offiziellen ASMR Videowerbespot des kanadischen Firmenzweigs zu Gemüte führen.


Die Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli AG

An seinem Sitz in Kilchberg bei Zürich produziert das Unternehmen seit über 100 Jahren eine der angesehensten Schokoladen der Welt. Zu seinen Marken gehören nebst Lindt auch Russel Stover, Caffarel und Hofbauer and Küfferle. Die Anteilsscheine der Aktiengesellschaft zählen zu den teuersten der Welt, und Inhaber erhalten zur jährlichen Versammlung ein heiss begehrtes Schokoladenpaket geliefert. 

Nicht zum Unternehmen gehört die Zürcher Confiserie Sprüngli AG. Allerdings gehen beide Marken auf Rudolf Sprüngli-Ammann zurück, welcher 1892 sein Unternehmen auf seine beiden Söhne aufteile.


Link zur Homepage von Lindt & Sprüngli



Die Schokolade zum Anfassen nahe

Wer schon immer mal in die Heimat der Schokolade eintauchen wollte, kann diesem Traum auf einen Schritt nahetreten. Denn in Kilchberg steht seit 2020 eine Lindt-Erlebniswelt der Superlative. Das moderne Museum beherbergt auf 500m2 den weltweit grössten Schokoladenshop, eine interaktive Schokoladentour durch Geschichte und Produktionsverfahren sowie ein weiterer Superlativ. 

Den über neun Meter hohen Schokoladenbrunnen mit über 1500 Kilogramm feinstem Schokoladenfluss. An diesem Ort ist der Maître Chocolatier zum Greifen nahe. Und wem das immer noch nicht genug Schokolade war, kann in einem der vielen Schokoladenkurse selbst den Meistertitel abräumen.
Das Lindt Schokoladenmuseum


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